Gehirntraining gegen ADHS

Medikamente wie Ritalin galten lange als die einzige Lösung, um Kinder mit ADHS zu behandeln. Wissenschaftler vom Karolinska-Institut in Stockholm konnten nun einen neuen Weg aufzeigen. In ihrer Studie trainierten sie das Arbeitsgedächtnis von 53 Kindern mit ADHS durch Konzentrationsübungen am Computer – mit positiven Erfolgen.

Sie sind oft unkonzentriert, trotzig und „zappelig“. Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) machen es Eltern und Lehrern häufig nicht leicht. ADHS wird zum Beispiel durch ein gestörtes Dopaminsystem im Gehirn verursacht; oftmals sind Medikamente (z. B. Ritalin) die einzige Lösung, damit die Kinder im Alltag ausgeglichener sind. Torkel Klingberg und sein Forscherteam vom Karolinska-Institut wollten herausfinden, ob die ADHS-Symptome auch durch ein Training des Arbeitsgedächtnisses – und somit ohne Medikamente - reduziert werden können.

An Ihrer Studie nahmen insgesamt 53 Kinder im Alter von 7 – 12 Jahren teil, bei denen zuvor ADHS diagnostiziert worden war. Über einen Zeitraum von fünf Wochen lösten die Kinder 40 Minuten täglich verschiedene Übungen am Computer, die primär das Arbeitsgedächtnis schulten. Dabei wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt. Bei der Kontrollgruppe blieb der Schwierigkeitsgrad stets auf dem gleichen Niveau, während er sich bei der Behandlungsgruppe den Fähigkeiten der Kinder anpasste.

Die ADHS-Symptome wurden vor, während und drei Monate nach der Behandlung kontrolliert. Es stellte sich heraus, dass sich die Symptome während der Behandlungszeit signifikant reduzierten; die Kinder arbeiteten konzentrierter und verhielten sich ausgeglichener. Zudem erbrachte die Behandlungsgruppe bei einem anschließenden Test des Arbeitsgedächtnisses wesentlich bessere Ergebnisse als die Kontrollgruppe. Der Lerneffekt ist also höher, wenn sich der Schwierigkeitsgrad der Übungen steigert; das Gehirn wird einem permanenten Reiz ausgesetzt und steigert kontinuierlich seine Leistung.

Die Wissenschaftler schließen aus den Ergebnissen der Studie, dass ein Training des Arbeitsgedächtnisses den Stoffwechsel des Gehirns positiv verändert. Außerdem konnte aufgezeigt werden, dass der Trainingseffekt steigt, wenn das Gehirn permanent vor neue Herausforderungen gestellt wird. Steigt der Schwierigkeitsgrad der Übungen nicht parallel zu den kognitiven Leistungen, strengt sich das Gehirn mit der Zeit weniger an und das Training verliert an Wirkung.

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